Synagogenstraße

1. Die ursprüngliche Aufgabe von Straßennamen ist eine Orientierung in der Örtlichkeit. Eine Waldstaße geht Richtung Wald, eine Kirchstraße führt zur Kirche. Wo ein solcher örtlicher Bezugspunkt zu finden ist, insbesondere eine bedeutende Institution oder ein charakteristisches Bauwerk, sollte in erster Linie das zur Benennung herangezogen werden, und nicht der Name einer Person, die mit der Örtlichkeit nichts zu tun hat. Damit werden auch Probleme vermieden, die sich aus den unterschiedlichen und sich vielfach ändernden Bewertungen historischer Gestalten ergeben können. Die Diskussion um den erst vor wenigen Jahren so benannten Bichof-Stein-Piatz zeigt das sehr deutlich.
2. Der örtliche Bezugspunkt, der für den Namen der vom Viehmarkt zum Alleenring führende Straße am ehesten in Betracht zu ziehen ist, ist eindeutig die Synagoge. Sie ist ein das Stadtbild im Alleenbereich prägendes repräsentatives Gebäude, ein herausragendes Kulturdenkmal, das Werk eines bedeutenden Architekten. Als eine der ersten in Deutschland nach der NS-Zeit neu errichteten Synagogen ist sie zudem von eminenter zeitgeschichtlicher Bedeutung. Und sie ist Mittelpunkt einer lebendigen jüdischen Gemeinde. Angesichts der zahlreichen-durchaus sinnvollerweise-nach christlichen Kultstätten benannter Plätze und Straßen erscheint es mehr als angemessen, dass sich auch die neue Synagoge demnächst im Straßenverzeichnis finden lässt.
3. Die Stadt Trier würde damit nur -mit einiger Verspätung -nachvollziehen, was in preußischer Zeit sehr viel schneller geschehen ist. 1862, nur drei Jahre nach Einweihung der damaligen Synagoge, wurde die an ihr vorbeiführende Straße nach ihr benannt (ein Name, der dann in einer "Säuberungsaktion" nach 1933 wieder verschwand). Dass nach dem Krieg dieser Name nicht einfach wieder auflebte, vielmehr eine Straße "An der alten Synagoge" benannt wurde, erscheint geradezu vorausschauend geschehen zu sei, denn damit kann der Name Synagogenstraße in Bezug auf die neue Synagoge vewendet werden, ohne dass die Gefahr einer Verwechslung besteht.
4. 2021 wird an "1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland" erinnert. Die Stadt Trier will sich daran beteiligen. Eine Auswechslung der Straßenschilder im Sinne unseres Vorschlags wäre ein schöner Beitrag.