Gerty-Spies-Straße

*Leben*

Gerty Spies wurde am 13. Januar 1897 in eine alteingesessene jüdische Familie in Trier geboren und verbrachte an der Auguste-Viktoria-Schule ihre Schulzeit. Nach der Verplfichtung zur Zwangsarbeit in München, das ab 1929 ihre Wahlheimat war, wurde sie im Jahr 1942 durch die Nationalsozialisten in das KZ Theresienstadt deportiert. Ermutigt von der mit ihr inhaftierten Schriftstellerin Elsa Bernstein (1866–1949), begann sie, in Theresienstadt Gedichte zu schreiben, „um zu überleben“.

Nach ihrer Befreiung 1945 kehrte Spies nach München zurück, wo sie sich beim „Bayerischen Hilfswerk für die durch die Nürnberger Gesetze Betroffenen“ engagierte. 1947 veröffentlichte sie den Gedichtband „Theresienstadt“, dessen Lyrik u. a. von Hermann Hesse als „versöhnend“ gerühmt wurde. Gleichwohl fand Spies' Werk – vorwiegend Lyrik und erzählende Prosa – in dieser Zeit kaum Gehör; erst seit den 1980er Jahren wurde es verstärkt publiziert. Das Manuskript „Bittere Jugend“, das in den 1950er Jahren kein Verlag drucken wollte, fand erst 1997 einen Verleger. In diese Milieustudie über das Alltagsleben im „Dritten Reich“ flossen Berichte über das Leiden der „halbarischen“ Tochter Ruth sowie Aufzeichnungen aus dem Konzentrationslager ein. Auch mit diesem Roman blieb sie ihren literarischen wie menschlichen Grundsätzen treu, die zugleich ihre große Lebensleistung ausmachen: Spies wollte als Holocaustüberlebende nicht nur die Kraft aufbringen, das Unfaßliche in Worte zu kleiden, sondern in und mit ihren Texten „verzeihen, aber nicht vergessen, das Herz rein [zu] halten von Haß- und Rachegefühlen“ (Drei J. Theresienstadt, Erzz., 1984, engl. 1997). Seit 1996 verleiht die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz zweijährlich den mit 5000 Euro dotierten „Gerty-Spies-Literaturpreis“ für literarische Arbeiten zu gesellschaftspolitischen Themen.
Quelle: https://www.deutsche-biographie.de/sfz123507.html

*Auszeichnungen*

Ehrenvorsitzende der Gesesllschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, München (1984)
Schwabinger Kunstpreis für Literatur. (1986)
Bundesverdienstkreuz am Bande (1987)

*Warum ist Gerty Spies die richtige Namensgeberin?*

In einer Zeit, in der Hass und Hetze, rechtsextreme Umtriebe und Angriffe auf jüdische Mitbürger*innen wieder Alltag sind, wäre es ein klares Zeichen der Stadt Trier, die Straße nach einer jüdischen Triererin zu benennen, die Opfer solcher Entwicklungen wurde und gleichzeitig die bewundernswerte Kraft aufbrachte, selbst nicht mit Hass darauf zu reagieren, sondern Versöhnung anzustreben. Auch wäre die Benennung ein Zeichen an die jüdische Gemeinde, die an der Kreuzung von der bisherigen Hindenburgstraße und der Kaiserstraße liegt, dass die Stadt "Kein Vergessen" und "Nie wieder!" lebt und nicht nur an Gedenkfeierlichkeiten wie etwa am 9.11. beschwört. Gerade vor dem Hintergrund, dass zuvor ein Wegbereiter des NS-Regimes Namensgeber war, wäre es richtig, den Fokus nun auf die Opfer und Folgen des Regimes zu lenken. Auch wäre die Bennenung nach Gerty Spies eine Würdigung ihres literarischen Werkes, das in der verdrängenden und schweigenden Bundesrepublik der Nachkriegszeit kaum Beachtung erfahren hat. Schließlich ist Gerty Spies durch ihr gesellschaftliches Engagement ein Vorbild. Auch heute brauchen wir Bürger*innen, die sich für eine starke Zivilgesellschaft engagieren.

Ebenso sollte sich die Stadt darum bemühen, mehr Frauen in den Straßennamen abzubilden. Dass Frauen 50 Prozent der Gesellschaft ausmachen, ist durch Straßennamen nicht im Stadtbild abgebildet, sodass man sich um eine Angleichung bemühen sollte.