Entscheidung im Ortsbeirat: Gerty-Spies- statt Hindenburgstraße

(kig) Gerty Spies, die 1897 in Trier geborene jüdische Schriftstellerin und Holocaustüberlebende, soll die neue Namensgeberin für die bisherige Hindenburgstraße sein. Diese Entscheidung fiel am Dienstag im Ortsbeirat Trier-Mitte-/Gartenfeld, der das Vorschlagsrecht für Straßennamen in seinem Ortsbezirk hat, nach vier Wahlgängen am Ende durch einen Losentscheid. Der Stadtrat muss den Beschluss noch bestätigen.
Gerty Spies wurde in eine alteingesessene jüdische Familie in Trier geboren und besuchte die Auguste-Viktoria-Schule. Nach der Trennung von ihrem Mann, mit dem sie zunächst nach Freiburg gezogen war, lebte sie ab 1929 mit ihrer Tochter in München. 1942 wurde sie in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort begann sie, auch „um zu überleben“, Gedichte zu schreiben. Nach ihrer Befreiung veröffentlichte sie 1947 den Gedichtband „Theresienstadt“. Für ihre autobiographischen Aufzeichnungen „Drei Jahre Theresienstadt“ und ihren Roman „Bittere Jugend“ hingegen fanden sich erst in den 1980er Jahren Verleger. Die späte Anerkennung als Lyrikerin und Schriftstellerin spiegelte sich in der Zuerkennung des Schwabinger Kunstpreises für Literatur 1986 und der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1987 wider. Gerty Spies starb 1997 im Alter von 100 Jahren in München.
Zu Beginn der Sitzung des Ortsbeirats standen noch 15 Vorschläge zur Auswahl. Neben Gerty Spies zählten dazu die Widerstandsgruppe Weiße Rose sowie die Persönlichkeiten Hannah Arendt, Fritz Bauer, Bertha von Suttner, Hilde Hubbuch, Else Scheuer, Louis Scheuer, Gustav Stresemann und „Mutti“ Krause. Fünf Vorschläge hatten einen örtlichen Bezug: Südtor, Römisches Forum, Neumarkt, Synagoge und Theater. Im ersten Wahlgang erhielten die Vorschläge Römisches Forum, Gerty Spies und An der Synagoge die meiste Unterstützung und kamen eine Runde weiter. Im zweiten Wahlgang schied der Vorschlag Synagoge aus, sodass bei der dritten Abstimmung die Entscheidung zwischen Gerty Spies und dem Römischen Forum fallen sollte. Es ergab sich jedoch ein Patt: Auf beide Vorschläge entfielen je sieben Stimmen. Auch die Wiederholung des Wahlgangs brachte kein anderes Ergebnis. Der nun fällige Losentscheid entfiel auf Gerty Spies.
Der Stadtrat hatte im Juli 2020 beschlossen, dass dem General Paul von Hindenburg, der 1933 als Reichspräsident Hitler zur Macht verhalf, kein ehrendes Gedenken mehr zuteil werden soll. Damit war der Weg frei für einen neuen Namen für die Hindenburgstraße, die von der Kaiserstraße auf Höhe der Synagoge in die Altstadt abzweigt und am Theater vorbei zum Viehmarktplatz verläuft.
Der Ortsbeirat Mitte-Gartenfeld initiierte daraufhin in Kooperation mit dem Amt für Presse und Kommunikation der Stadt Trier im November 2020 eine Bürgerbeteiligung über die Plattform trier-mitgestalten.de. 243 Vorschläge wurden innerhalb von drei Wochen eingereicht. Der Vorschlag Gerty Spies stammt von Jana Schollmeier und Martin Jäckels. Nach dem Abzug von Dopplungen und rechtlich nicht zulässigen Vorschlägen, die sich zum Beispiel auf noch lebende Personen bezogen, blieben noch 168 Straßennamen übrig. Daraus trafen die Ortsbeiratsmitglieder die Vorauswahl der 15 Namen, die jetzt zur Abstimmung standen.