Weiterentwicklung des Pollerkonzepts für die City zu einem urbanen Sicherheitskonzept

Die Karte in der Bildergalerie unten zeigt die Aufteilung der Fußgängerzone im neuen urbanen Sicherheitskonzept. Für die Ein- und Ausfahrt und für die Überfahrt in andere Zonen gibt es Sicherheitslinien mit versenkbaren Elementen und jeweils unterschiedlichen Berechtigungen für Anwohner und Einsatzfahrzeuge. Lieferverkehr ist von 6 bis 10 Uhr zugelassen. Daneben gibt es dauerhafte Barrieren und Blockaden, die im Notfall demontiert werden können.
Das komplette neue urbane Sicherheitskonzept finden Sie unter https://www.trier-mitgestalten.de/informieren rechte Spalte Dokumente

Vier Monate nach der Amokfahrt hat die Stadt ihre Pläne für den Autoverkehr in der Innenstadt auf eine neue Grundlage gestellt. Während das alte Pollerkonzept nur den Verkehr in der Fußgängerzone lenken und einschränken sollte, geht es im neuen urbanen Sicherheitskonzept zusätzlich um die Gefahrenabwehr. Nebeneffekt: Die Fußgängerzone soll an mehreren Stellen ausgedehnt werden.
Der 1. Dezember 2020 war ein traumatischer Tag für Trier: Bei der Amokfahrt konnte der Täter mit seinem Geländewagen ungehindert durch die Fußgängerzone rasen und dabei fünf Menschen töten und viele weitere verletzen. Klar ist: Selbst ein Poller, wie er aktuell in der Glockenstraße in Betrieb ist, hätte die Einfahrt eines entschlossenen Täters von der Konstantin- in die Brotstraße wohl nicht verhindern können. Die Stadt hat deshalb das schon fast fertig ausgearbeitete Pollerkonzept, das vor allem der Verkehrslenkung dienen sollte, noch einmal komplett überarbeitet. Fachliche Unterstützung kam vom Planungsbüro VZM aus Bonn.
Im neuen urbanen Sicherheitskonzept wird die Fußgängerzone in zehn Unterzonen aufgeteilt, die durch verschiedene Barrieren voneinander abgetrennt werden: Simeonstraße, Hauptmarkt, Dom, Museum (Bischof- Stein-Platz), Fußgängerzone Mitte, Kornmarkt, Fußgängerzone Süd, Neustraße, Viehmarkt und Fußgängerzone West. Im Unterschied zu den bisher geplanten Pollern sollen die neuen Einfahrthindernisse auch Fahrzeugen mit höheren Geschwindigkeiten standhalten. Die Kosten belaufen sich nach derzeitigen Schätzungen auf rund sechs Millionen Euro, wobei die Stadt von einer bis zu 90-prozentigen Förderung durch die Landesregierung profitieren könnte.
Baudezernent Andreas Ludwig stellte die Weiterentwicklung des Konzepts bei einer digitalen Pressekonferenz vor und erklärte: „Es gibt keine totale Sicherheit vor Gewalt und Terror, dennoch waren nach der Amokfahrt neue Überlegungen und Lösungsansätze gefragt. Wir wollen dafür sorgen, dass sich die Besucherinnen und Besucher der Trierer Fußgängerzone möglichst wohl fühlen und entspannt flanieren können.“
Das Grundprinzip: In den zehn Zonen soll es für den zugelassenen Verkehr, also vor allem Anwohner und Lieferanten, jeweils nur eine Einfahrt und eine Ausfahrt geben. Eine „Überfahrt“ in benachbarte Zonen soll durch Barrieren verhindert werden. Damit wird unter anderem verhindert, dass Fahrzeuge auf langen geraden Strecken eine hohe Geschwindigkeit aufnehmen können. Zugleich soll der Lieferverkehr, der momentan von 19 Uhr abends durchgehend bis 11 Uhr vormittags erlaubt ist, auf die Zeit von 6 bis 10 Uhr eingeschränkt werden.
Zur Optik der insgesamt geplanten 38 Barrieren sagte Ludwig: „Wir wollen keine Polleritis“. Soll heißen: Um die Durchfahrt an bestimmten Stellen zu ermöglichen, sind natürlich versenkbare Poller nötig. Aber auch massiv verankerte Bänke, Hochbeete, Sitzsteine oder Fahrradbügel sollen als Gestaltungs- und Sicherungselemente verwendet werden.
Eine wichtige Änderung im Vergleich zum bisherigen Konzept betrifft die Neustraße, die zusammen mit der Pfützen- und der Germanstraße komplett als Fußgängerzone ausgewiesen werden soll. Die Zufahrtsbarriere soll nicht erst an der Einmündung Pfützenstraße, sondern bereits an der Kaiserstraße errichtet werden. Für den zugangsberechtigten Verkehr soll die bisherige Fahrtrichtung umgedreht werden: Die Einfahrt erfolgt über die Rahnenstraße und die Ausfahrt zur Kaiserstraße. Damit wird auch verhindert, dass sich in der Kaiserstraße bei der Einfahrt in die Neustraße ein Rückstau bildet. Auch rund um den Kornmarkt soll den Planungen zufolge die Fußgängerzone ausgedehnt werden und sich künftig auch in die Gangolf- und in die untere Konstantinstraße erstrecken.
Ludwig kündigte an, dieses Konzept in den nächsten Wochen mit allen Gremien, darunter der Ortsbeirat und die City-Initiative, abzustimmen. Der Stadtrat soll es möglichst schon in seiner nächsten Sitzung am 28. April beschließen. Dann beginnen die komplexen Detailplanungen für die einzelnen Standorte. Nach jetzigem Stand soll der Startschuss möglichst noch 2021 auf dem Domfreihof erfolgen. (Ralph Kießling)