Judengasse: Unwürdiger Zustand

wird geprüft

Trier war im Mittelalter neben Worms, Speyer und Köln eines der bedeutensten Zentren jüdischen Glaubens und jüdischen Lebens in Deutschland. In der Trierer Judengasse zeugt davon nicht zuletzt eines der ältesten jüdischen Wohnhäuser hierzulande. Jährlich wird die Straße von zahllosen Interessierten besucht, Schauspielführungen und Gästeführer machen hier Station und gewähren wichtige Einblick in das Zusammenleben von Juden und Christen.

Der Anblick, der sich Ihnen dort bietet ist meist jedoch unwürdig: Gleich beim Eintritt durch den Torbogen am Hauptmarkt schlägt Besuchern ein beißender Urin-Gestank entgegen, oftmals liegt Müll herum, die Fassaden verkommen oder werden besprüht und es findet nur eine unzureichende Erinnerungskultur statt - über das jüdisches Leben im Mittelalter und die schrecklichen Verfolgungen in der NS-Zeit. Der Trierische Volksfreund berichtete erst im Sommer letzten Jahres darüber (http://www.volksfreund.de/nach...) - geschehen ist seitdem jedoch nur wenig!

Die Judengasse muss aufgebessert werden. Sei es durch bessere Reinigung, durch verstärkte Kontrollen (vor allem in den späteren Abendstunden) und durch Restaurierung/Reinigung der Fassaden. Vor allem muss die Örtlichkeit besser genutzt werden, um an die bewegte Geschichte der Juden in Deutschlands ältester Stadt zu erinnern - sowohl im Mittelalter als auch im Nationalsozialismus. Man könnte sich dafür etwa mit den Betreibern der anliegenden Geschäfte (Telekom Shop) austauschen, um eine bessere Lösung zu finden. Zudem sollte man den Dialog mit den Betreibern der Gaststätten vor Ort suchen.

Die Trierer Kneipenkultur ist einzigartig und bemerkenswert. Jedoch muss an dieser Stelle zumindest die Diskussion erlaubt sein, ob die momentane Zusammenstellung an Gaststätten dem Stellenwert der Judengasse gerecht wird. Vor allem zu späteren Stunden am Wochenende gleicht die Straße eher einer Amüsiermeile statt eines historischen Schauplatzes. Es ist davon auszugehen, dass sowohl Gestank als auch Vermüllung zum Teil darauf zurückzuführen sind.

Klar ist: Es muss sich etwas ändern! 2018 wird Trier ein hohes Besuchsaufkommen verzeichnen; bis dahin wäre noch genug Zeit, um gewisse Dinge in die Hand zu nehmen.