Uneingeschränkter Einsatz des Winterdienstes bei Unwetterwarnung vor Glatteis

offen

Heute morgen bin ich trotz amtlicher Unwetterwarnung und teils spiegelglatten Straßen und Gehwegen raus an die frische Luft. Ich habe nämlich einen Hund dem Unwetterwarnungen ziemlich egal sind wenn es darum geht, Geschäfte zu erledigen.

An der Ecke Böhmerstraße / Moselufer schaute ich an der Fußgängerampel wartend zum Irminenfreihof rüber und freute mich dort ein Streufahrzeug zu erblicken. Die Festbeleuchtung nebst orangenem Blinklicht war nicht zu übersehen. Ich bin dann zum Moselufer runter. Als ich nach guten 20 Minuten wieder zurück kam, stand das Streufahrzeug immer noch an der gleichen Stelle. Ich hab mir Gedanken gemacht ob wohl irgendwas schlimmes passiert sei. Auch Streudienstler können bekanntlich ausrutschen. Also hab ich nachgeschaut. Vom Fahrer war keine spur zu sehen, obwohl der Motor lief. Erst bei näherer Betrachtung entdeckte ich ihn kaffeetrinkend und in reger Unterhaltung als "Beifahrer" in einem neben dem Streufahrzeug geparkten Auto. Ich hab mir das dann noch ein paar Minuten angeschaut und derweil überlegt, wie viele alte Leute auf dem Weg in die Kirche sich wohl gerade einen Oberschenkelshalsbruch zuziehen, während der Streudienst Kaffeeklatsch abhält.

Irgendwann wurde es mir zu blöd. Ich bin zu ihm hin und habe ganz höflich darum gebeten, er möge doch zumindest den Motor abstellen, wenn er schon bei Eisregen ausführlichst Kaffee trinke anstatt zu streuen. Seine Antwort war verblüffend: Er könne den Motor nicht ausmachen, weil er ansonsten nicht wieder anspringe.... Außerdem trinke er seit gerade mal 4 Minuten Kaffee und das müsse ja auch mal sein. Ich habe ihm dann verdeutlicht daß er das seinem Vorgesetzten morgen ja erklären könne. Der werde bestimmt veranlassen, daß das Streufahrzeug in Ordnung kommt. In der Zwischenzeit würde ich schon mal Bilder seines Kennzeichens machen. Das war ihm auch egal, genauso wie mein Hinweis auf den gerade wieder einsetzenden Eisregen.

Erst als ich das Kennzeichen der Kaffeestube fotografierte kam er in Schwung. Ab da ging alles ganz schnell und der Winterdienst wurde wieder wahrgenommen.

Ich weiß gerade nicht was ich schlimmer finden soll: marode Streudienstfahrzeuge deren Moter nicht anspringt wenn Mitarbeiter eine kurze Kaffeepause einlegen und das Fahrzeug dazu ordnungsgemäß abstellen. Oder doch eher Mitarbeiter des Winterdienstes die meinen besorgte Bürger verarschen zu können ohne rot zu werden.

Vielleicht erleichtert mir die Stadtverwaltung die Entscheidung, indem sie eine der beiden Möglichkeiten als unmöglich ausschließt. Ich bin gespannt.

Anne Bosch