Argumente für Streckenabschnitte Tempo 30 (z.B. Avelsbacher Straße)

in Bearbeitung

An dieser Stelle stütze ich argumentativ einen anderen Beitrag, den ich zum Thema Tempo 30 gepostet habe. Exemplarisch greife ich die Avelsbacher Straße in Kürenz heraus und beziehe mich auf eine der vielen Verkehrslösungen in den "Schubladen" der Stadtteilrahmenplanung aus dem Jahr 2002 für Altkürenz, nämlich die Einrichtung einer Tempo 30-Zone in der Avelsbacher Straße (ca. 250 m; nicht zu verwechseln mit Aveler Tal!). Die Überlegungen betreffen natürlich alle ähnlichen Straßenabschnitte in Trier, die bis an den Straßenrand bebaut sind und einen lärmstiegernden Tunneleffekt erzielen.
Hier noch einmal die wichtigsten Argumente, die sich beispielhaft auf die Avelsbacher Straße beziehen:
• Der Verkehrslärm, die Abgasentwicklung und die Feinstaubemission ist hier besonders hoch, was sich durch einen Tunneleffekt durch die enge Bebauung bis unmittelbar zum Verkehrsraum/Straßenrand erklärt. Das unterscheidet den Streckenabschnitt Avelsbacher Straße von anderen Teilen der langen Verkehrsachse Höhenstadtteil-Innenstadt, wurde aber bislang wenig bedacht.
• Jede App misst bei geschlossenen (!) Schallschutzfenstern (der Generation, die nach einer Klage der BI Lebenswertes Kürenz als passiver Schallschutz auch von der Stadt finanziert wurden) eine Lärmbelastung über der Gesundheitsgrenze. Anzumerken ist hier der hohe Anteil an Schwerlastverkehr durch Baustellen- und Lieferverkehr (letzterer auch nachts). Unter "Avelsbacher Straße" ist ein Video auf YOUTUBE eingestellt, das den Lärm vor 10 Jahren (!) dokumentiert. Für alle, die es konkret brauchen: Man hört jedes der über 20 000 Fahrzeugen (1/5 von Trier) am Haus vorbeifahren, wenn es 50 fährt. Jeder LKW produziert Schwingen, die durch das gesamte Haus gehen.
• Tempo 30 wirkt sich nachweislich lärmsenkend aus, weil Rollgeräusche und die Lärmspitzen durch Baustellen- und Lieferfahrzeuge vermindert sind. Staut sich der Verkehr und ist zu Tempo 20 oder 30 gezwungen, hört man nichts (über die Feinstaubbelastung wird an anderer Stelle zu reden sein)
• Tempo 30 sich wirkt sich erzieherisch aus, weil das Tempo von Autofahrenden insgesamt bewusster getaltet wird. In ein Gesamtkonzept eingebettet steigt die Attraktivität, auf andere Verkehrsmittel auszuweichen.
• Lärmminderung ist Gesundheitsförderung. Viele Anwohnerinnen und Anwohner mit wenig Wohnraum haben Schlafzimmer, die nur wenige Meter vom Verkehr auf der Straße entfernt liegen.
• Der Status als Landesstraße hinderte das Straßenverkehrsamt bis in die 1990-er Jahre nicht darin, für den hier anvisierten Streckenabschnitt Tempo 40 zur Lärmminderung ausweisen - eine Beschilderung, die mit dem Ausbau der Straße vor der LGS verschwand.
• Andere Landesstraße in Trier sind Tempo 30-Straßen. Auf die Widersprüchlichkeit der Argumentation weist die Stadtverwaltung darauf hin, dass fortan Landesstraßen mit Tempo 30 wieder Tempo 50 erhalten werden ...

Im Sinne des Beschlusses "Der Stadtrat Trier erkennt an, dass die Klimakrise eine existenzielle Bedrohung ist und deswegen schnell und konsequent gehandelt werden muss", hoffen wir auf diese und natürlich viele weitere Maßnahmen – hier an einem Beispiel Altkürenz vorgebracht – zum Ausgleich früherer Versäumnisse in der Verkehrspolitik. Zudem bitten wir darum, Einzelmaßnahmen in größere Verkehrskonzepte (z.B. Tempo 30 in der gesamten Stadt; Verbot getunter Motorfahrzeuge) einzubetten, aber Einzelmaßnahmen nicht weiterhin zu unterlassen, weil noch kein Gesamtkonzept vorliegt. Tempo 30 zum Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner der Avelsbacher Straße einzurichten und damit Zeichen zu setzen, widerspricht nicht dem Anliegen, Verkehr insgesamt zu reduzieren.

Seit einem halben Jahr wird auf diese Anliegen von Stadtverwaltung, Parteien nur abwiegelnd reagiert oder das Engagment verläuft im Sande. Ich verstehe das nicht: Nicht Aufwändiges steht an. Die Stadt muss keinen Flughafen schließen, keine Bahngleise verlegen. Sie muss nur Ihre Bürger schützen wollen und Verantwortung für einen Straßenabschnitt (unter anderen in der Stadt) übernehmen, der (fast) den Bebauer/inne/n und Bewohner/innen der Höhenstadtteile ermöglicht, durch ein Nadelöhr in die Stadt zu kommen. Tempo 30 schützt die Gesundheit, städtischen Wohnen ist ökologisch und historische Bausubstanz bleibt auch in den Vororten attraktiver Wohnraum. Und Klimafreundlichkeit bleibt kein reines Lippenbekenntnis, soziale Gerechtigkeit bekommt auch eine verkehrspolitische Dimension. Eigentlich ganz einfach. Wenn man will.