Tempo 30 gegen Gesundheitsgefährdung durch Lärm und Erschütterungen

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Hier ein Beispiel für die den Lastverkehr in die Höhenstadtteile durch die Avelsbacher Straße. Übrigens ist die Avelsbacher Straße im Jahr 2004 zurückgebaut. Sie ist auf der Karte breit eingezeichnet, weil sie irgendwann mal zur Landesstraße deklariert wurde. Gibt es Obergrenzen für Lärm, Gestank und Erschütterungen? Warum ist die Franz-Georg-Straße als Landstraße Tempo 30? Es gab von der Stadt keine andere Anwort als dass diese Tempo 30-Landstraßen wieder 50 km-Straßen würden. Hat man da etwas verstanden. Eine Einladung, sich bei uns inm Haus für einen Kaffee zu verabreden, hat übrigens keiner bilsang angenommen ...

Zu einem bedeutsamen Maßnahmenbündel einer klimafreundlichen Stadt gehört die Verkehrspolitik. Wer durch Brüssel fährt, kann dies bis in die Vororte nur lärmreduziert mit Tempo 30 tun, wer in Zürich einen Parkplatz sucht, der wird nicht fündig und steigt direkt auf den ÖPNV um. Und zwischenzeitlich hat es uns Schweich vorgemacht: Tempo 30 Auf einer Landstraße, weil gesundheitsgefährdender Lärm vermieden werden soll. Wie mutig!
Vor diesem Hintergrund habe ich mir seit dem Votum im Juli vergangenen Jahres von einer neuen Mehrheit klimasensibler Lokalpolitikerinnen und -politiker in Trier mehr erwartet als begrünte Dächer an Bushaltestellen, Ideen zu autofreien Wohngebieten oder viel Aufwand um einen einzigen autofreien Tag in der Innenstadt – so der jüngste Antrag von Bündnis 90/Grünen, SPD und DIE LINKE. Mittlerweile hat Corona die Staßen leergefegt, eine Städte nutzen die Chance für klimafreundliche Verkehrskonzepte, Trier m.W. nicht.
Ich hatte z.B. gedacht, dass mit den neuen Mehrheiten im Stadtrat die Stadt Trier als Lebensraum nicht nur zeitlich begrenzt (auf einen Tag) oder räumlich eng (in Vorzeige-Wohngebieten) klimafreundlich entworfen wird, sondern nach rationalen Kriterien als attraktiver Lebensraum gestaltet werden soll. Und ich hatte erwartet, dass Parteien links von der politischen Mitte ihre städtische Klima- und Verkehrspolitik mit Fragen sozialer Gerechtigkeit verbinden, also nicht nur ihr Klientel bedienen, sondern stattdessen sogar sozial ausgleichend wirken wollen. Warum auch nicht in Trier mutiger sein, in der Verkehrspolitik die ganze Stadt im Auge haben und dann eher gerecht sein?
Dazu nur ein Beispiel: In den letzten Monaten hatte ich dem Stadtvorstand, der Stadtverwaltung und den Parteien am konkreten Beispiel der Avelsbacher Straße, an der ich selbst wohne, einen wiederholten Vorschlag für eine unkompliziert umsetzbare Lärm- und Verkehrsreduktion auf dem Weg zu einem klimafreundlichen Trier gemacht. Straßen wie die Paulinstraße, die Saarstraße, die Roonstraße, die Avelsbacher Straße und viele mehr, durch die jeden Tag Zehntausende Fahrzeuge fahren, die durch eine Bebauung bis zur Bordsteinkante einen ungeahnten lärmsteigernden Tunneleffekt erzeugen, weshalb gängige Lärmschutzmaßnahmen durch Fenster nicht ausreichen, in denen jeder normal bis hemmungslos durchfahrende LKW die Hausmauern erschüttert mit Vibraitonen im gesamten Haus, wo Nachtruhe nur zwischen 0.00h und 4.00h möglich wird, wo Wohnraum also im Grunde „enteignet“ ist – diese Straßen sollten in einer ersten verkehrspolitischen Maßnahme nur noch mit Tempo 30 befahren werden dürfen.
Die Antworten seitens der Stadtverwaltung füllten viele Seiten, die so schon vor 20 Jahren genau so formuliert worden waren; die Reaktionen der Parteien waren schmallippig bis das Bürgerinteresse völlig ignorierend. Aussichten auf eine sozial gerechte, also Nachteile ausgleichende Verkehrspolitik konnte ich auch an der einen oder anderen bemüht umfangreichen Antwort nicht erkennen – der Leitsatz „Klimafreundlichkeit“ entpuppte sich in allen Reaktionen für mein Verständnis als völlig unglaubwürdig.
Egal welche Maßnahmen einer klimafreundlichen Stadt in Zukunft noch verabschiedet werden: Statt eines eindimensionalen Denkens über Klimapolitik in isoliertem Aktivismus wünsche ich mir Weitsicht, den zusätzlichen Einbezug von Überlegungen zur sozialen Gerechtigkeit und natürlich die nötige Portion gesunden Menschenverstand. Mut würde dem einen oder anderen sicher auch stehen.