benutzungspflichtiger Radfahrstreifen Mustorstraße

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Ich hatte mit der Mustorstraße schon abgeschlossen und nutze sie als Radfahrer nur noch wenn es sich nicht vermeiden lässt. Dass aber ausgerechnet diese Maßnahme zur Illustration von sicheren Radfahrstreifen herhalten muss, ( https://www.trier-mitgestalten.de/sites/default/files/styles/large/publi...) zwingt mich dazu eine Stellungnahme zu verfassen:

Um ganz klar zu stellen, welchen Radfahrstreifen dieses Bild zeigt:
Radfahrstreifen mit Benutzungspflicht, beginnend Mustorstraße/ Ecke An der Meerkatz und endend unmittelbar vor der Verkehrsinsel, Höhe Ein-/Ausfahrt ADD/KV. In der anderen Fahrtrichtung gleiches Drama. Vom Grundprinzip ähnlich geführt.

Anforderungen an einen Radfahrstreifen: (lt. ERA, VwV-StvO, korrigieren Sie mich wenn ich irre)
- möglichst wenige Einmündungen/ Zufahrten
- Regelbreite 1,85m inkl. Markierungen + Sicherheitstrennstreifen zu Parkständen (0,50m-0,75m) in Summe 2,35m-2,60m

Der gezeigte Radfahrstreifen als Aushängeschild für sicheren Radverkehr, der diese Homepage schmückt, ist nachgemessenerweise inkl. Markierungen 1,72m breit (Gegenrichtung nur 1,35m). Zusätzlich ist der Sicherheitstrennstreifen zu Parkständen (hier Längsparkstände) ganze 0,30m breit (in Gegenrichtung ebenso). In Summe ergibt sich hier 2,02m des Radfahrstreifens inkl. des Sicherheitstrennstreifens (in Gegenrichtung ergibt sich 1,65m).
Dass der Radfahrstreifen so schmal ist, wäre noch gar nicht das große Problem wenn nicht dort 10 Längsparkstände wären (in Gegenrichtung 4). Durch diese Längsparkstände wird eigentlich sofort ersichtlich (sogar im Bild!) dass der Sicherheitstrennstreifen eine sinnvolle Funktion hat, welche bei 30 cm nicht gegeben ist. Der Sicherheitstrennstreifen soll den Radfahrer vor sich öffnenden Autotüren schützen und ein- und aussteigenden Autoinsassen die Möglichkeit geben sich nicht im Verkehrsraum des Fahrradfahrers aufhalten zu müssen.
Der Fahrradfahrer befindet sich hier, wie auch in der Gegenrichtung, in gleicher Situation. Eine trügerische Sicherheit wird vorgegaukelt. Es handelt sich um eine grundsätzlich korrekt markierte Radverkehrsanlage inkl. Beschilderung und Benutzungspflicht. Der Radfahrer sollte davon ausgehen können, seinen Verkehrsraum komplett ausnutzen zu können ohne in Gefahr gebracht zu werden, oder sich selbst in Gefahr zu bringen. Dazu wird das Ganze schließlich auch angelegt.
Wenn er das aber tut gerät zwangsläufig in Gefahr mit einer Autotür zu kollidieren oder auf Fußgänger (Autoein/aussteiger) zu treffen. Abgesehen davon, was geschieht wenn Autofahrer (wie im Bild!) nicht korrekt innerhalb ihrer Markierungen parken, handelt es sich hier um eine fahrlässige Gefährdung von Menschen die sich in Sicherheit wiegen! Dieser Radfahrstreifen ist ausschließlich ganz links zu benutzen und damit gefährdet sich der Radfahrer von anderer Seite.

Dies beschreibt nur die Situation auf Höhe der Längsparkstände in beide Fahrrichtungen. Der benutzungspflichtige Radfahrstreifen beginnt schließlich direkt hinter einem Zebrastreifen, direkt vor einer Zufahrt für den Parkplatz Konstantinplatz.

1. Autofahrer stehen teilweise während sie am Zebrastreifen warten auf der Zufahrt zu dem benutzungspflichtigen Radfahrstreifen.
2. Autofahrer in gleicher Fahrtrichtung biegen haarsträubend unter Missachtung der Vorfahrt des Radfahrstreifens auf den Parkplatz ab.
3. Autofahrer die von dem Parkplatz auf die Straße auffahren wollen, halten unter Missachtung des Radfahrstreifens auf diesem, um sich in den Verkehr einzufädeln.
4. Autofahrer aus der Gegenrichtung biegen haarsträubend unter Missachtung der Vorfahrt des Radfahrstreifens auf den Parkplatz ab.

In der Gegenrichtung endet der Radfahrstreifen kurz vor dem Zebrastreifen und Autofahrer ignorieren die Vorfahrt geradeausfahrender Fahrradfahrer, beim Abbiegen in die Straße An der Meerkatz.

Rückbau der gesamten Anlage und aufbringen von Fahrradpiktogrammen für Mischverkehr wie eher empfohlen durch ERA oder Entfernung der Längsparkstände und eindeutige farbliche Markierung des Radfahrstreifens, damit Autofahrer diesen auch wahrnehmen können.

Abgesehen von sämtlichen gewollten Gefährdungen der Benutzer gesellen sich hier noch beliebig viele Fehlverhalten diverser Kraftfahrer zu einem bunten Strauß an extrem gefährlichen Situationen.

An jeder dieser Stellen kann ich aus eigener Erfahrung über mindestens eine lebensgefährliche Situation berichten, die durch schnelles Handeln meinerseits glimpflich ausgegangen ist. Jede andere Sichtweise zur Sicherheit auf diesem benutzungspflichtigen Radfahrstreifen entspricht nicht der Realität.

Warum ist das alles so (lebens-)gefährlich? Und warum bewirbt ein Bild, dass eine (lebens-)gefährliche Situation zeigt, ein hoffentlich ernst gemeintes Engagement der Stadt Trier für sicheren Radverkehr?

Hinweise der Verwaltung: 

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns zu schreiben.

Laut der aktuelle Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung (VwV-StVO) sind Radfahrstreifen (einschließlich der Breite des Zeichens 295 (Markierung der Fahrbahnbegrenzung)) möglichst 1,85 m breit. Die Verwaltungsvorschrift schreibt jedoch eine Mindestbreite von 1,50 m vor. Diese Mindestbreite ist im gesamten Bereich der Mustorstraße vorhanden. An einigen Stellen ist der Radfahrstreifen auch breiter als 1,50 m.
Laut der Empfehlung für Radverkehrsanlagen ERA ist die Breite des Sicherheitstrennstreifens zu Längsparkständen 0,50 m bis 0,75 m. Der Sicherheitsabstand von 0,50 m ist ebenfalls in der Mustorstraße eingehalten.

An den Engstellen in der Mustorstraße können leider nur die Mindestmaße aus den vorhergenannten Verordnungen oder Empfehlungen angewendet werden. Eine Restfahrbahnbreite von 6,50 m muss eingehalten werden, damit der Begegnungsverkehr von Bussen weiterhin möglich ist.

Was die Unfallträchtigkeit angeht, ist die Mustorstraße gemessen an der verkehrlichen Bedeutung unauffällig. Im gesamten Zeitraum 01.01.2015 bis 31.12.2018 wurden laut Statistik der Polizei lediglich zwei Unfälle mit Radverkehrsbeteiligten (Leichtverletzte) gemeldet. Für 2019 liegen uns offizielle Meldungen noch nicht vor.
An dem Fehlverhalten vieler Verkehrsteilnehmer können wir leider nichts ändern.

Wir werden uns die Situation nochmals vor Ort ansehen und gegebenenfalls Maßnahmen wie Rotmarkierungen oder andere Ergänzungen prüfen.